Am nächsten Tag wollen wir die Fähre von Singapur zum
Kampong Pengerang am südöstlichen Zipfel Malaysias nehmen, um uns die Fahrt durch die
Grossstädte Singapur und Johor Bahru (auf malaiischer Seite) zu ersparen. Nachdem wir
Singapurs City im morgendlichen Verkehrschaos gemeistert und nach einigem Hin und Her doch
irgendwie die Nebenstrasse entlang der Flughafenautobahn gefunden haben, radeln wir
entspannt die Küste entlang. Und als wir sogar am richtigen Fährhafen sind (es ist der
Hafen hinter dem Flughafen), tuckert die Fähre auch schon los.
Malaiisches Festland ist wenig später in Sicht. Grüne
Hügel in der Ferne, Palmen an der Küste werden sichtbar. Ich denke daran, wie lange mir
eine Radtour durch Malaysia schon im Kopf rumschwirrt...
Wir sind da! Eine junge Dame mit Tudung, dem bei malaiischen Frauen üblichen Kopftuch, stempelt mit einem freundlichen Lächeln das Visum in den Pass.
So lernen wir schon an dem kleinen Grenzhaus die für mich beeindruckendste Eigenschaft der Einheimischen kennen: Freundlichkeit. Ein Lächeln, ein heiteres "Hello",
ein Zuwinken beim Vorbeiradeln. Eine sehr angenehme Freundlichkeit: Ehrlich, mit natürlichem Respekt und ohne jede Aufdringlichkeit.
Sie greifen an!
Am Ortseingang von Desaru, wo wir die erste Nacht in Malaysia
verbringen wollen, hoppeln in der Ferne Tiere über die Strasse. Wir halten an: Schon
werden wir von einer Horde Affen umlagert, die uns erwartungsvoll mit einem "Du hast
doch bestimmt 'was zum Fressen"-Blick ansehen. Da wir aber statt Essbarem nur unsere
Kameras aus den Taschen kramen, schreiten sie zur Selbsthilfe: Ich höre Annemaries
Aufschrei "Sie greifen an!" und sehe, wie ein Affe an ihrer Plastiktüte auf den
Packtaschen zerrt, ruck zuck die Chips und Kekse herausreisst und auf den nächsten Baum
flüchtet. Mit ziemlich dummen Gesicht, aber voller Begeisterung für die erste Begegnung
mit den einheimischen Affen radeln wir in den Ort...
Wir essen uns ein...
In den nächsten Tagen lernen wir vor allem die kulinarischen
Genüsse Malaysias kennen: Wir beginnen den Tag mit Roti, einer Mischung aus
Pfannkuchen und Fladenbrot (mit oder ohne Ei und einer würzigen Tunke) und Teh Susu,
dem hervorragendem malaiischen Tee mit gesüsster Kondensmilch. Rambutan, eine
Litschee-ähnliche Frucht, avanciert zu unserem absoluten Lieblingsobst, obwohl wir auch
Pomelos und Papayas nicht verachten. Und wir gewöhnen uns an das scharfe Essen. Alexandra
und Annemarie tun sich damit leicht, mein Magen will sich nicht so schnell damit
anfreunden. Die süss oder herzhaft gefüllten Dampfnudeln namens Pau
neutralisieren die Schärfe nach dem Essen hingegen auf äusserst angenehme Weise.
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