Die Butang Gruppe
Bald verabschieden wir uns von den freundlichen Chao Le, um bei einem kleinen Aussenposten des Nationalparks im Süden von Adang die Nacht zu verbringen. Das Wasser um Ko Adang ist um ein vielfaches klarer als das vor der Küste von Tarutao. Die Bedingungen zum Schnorcheln und Tauchen sind hier exzellent, während das Wasser vor dem 40 Kilometer entfernten Tarutao eher als trüb zu bezeichnen ist.
In der kleinen Nationalpark-Station treffen wir eine Gruppe amerikanischer Meeresbiologen, die hier für einige Wochen ihre Zelte aufgeschlagen haben, um die aussergewöhnliche maritime Artenvielfalt der Inselgruppe zu erforschen. Von ihnen bekommen wir noch einige Tips, wo im Archipel die schönsten Korallengärten zu finden sind oder wo das Schnorcheln nicht lohnt, weil die Unterwasserwelt in der Vergangenheit durch skrupellose Dynamitfischerei nachhaltig zerstört worden ist.
Bevor wir am nächsten Tag weiter in das Innere des Archipels vordringen, machen wir noch einen kurzen Besuch auf der kleinen Insel Ko Lipè. Hier befindet sich die Hauptansiedlung der Chao-Le. Die Menschen leben in kärglichen Verhältnissen. Es sind überwiegend ältere Menschen zu sehen, und es wird deutlich, dass die Chao Le dabei sind, ihre eigene Kultur einzubüssen. Die thailändische Regierung möchte sie integrieren. Viele junge Chao Le sind in die grösseren Städte abgewandert, da sich die neu geweckten Konsumwünsche hier nicht realisieren lassen.
Wir erwerben ein paar Melonen und setzen unseren Weg fort. Wir gleiten mit unseren Booten in das Innere der Inselgruppe. Von den Inseln Ko Adang, Ko Rawi und Ko Bu Tang auf drei Seiten eingeschlossen, breitet sich die geschützte Wasserfläche fast wie ein Binnensee vor uns aus. Zunächst erkunden wir die Westküste von Ko Adang. Sie ist völlig einsam und nur mit dem Boot zu erreichen. Die breiten weissen Sandstrände werden immer wieder von riesigen rundgeschliffenen Granitblöcken unterbrochen. Eine ganze Anzahl von grossen und kleinen Bächen mündet hier ins Meer. Sie entspringen in den auf fast 700 Meter aufsteigenden, mit dichtem Urwald bewachsenen Bergen Ko Adangs.
Wir schlagen unser Lager für die nächsten Tage an einer der grösseren Bachmündungen auf. Mit Hilfe unseres Wasserfilters steht uns hier immer genug Trinkwasser zur Verfügung. "Prima" ruft Josi "an dem Strand sind wir bestimmt ganz alleine". Dass das nur zum Teil stimmt, merke ich jedoch, als ich am Strand um die meterhohen Granitblöcke streife, und mich plötzlich mit einer Schlange von beträchtlicher Grösse Auge in Auge sehe. Zum Glück hat das Reptil vor mir mindestens so grosse Angst wie ich vor ihm und zieht sich schnellstmöglich wieder in den Dschungel zurück. Ganz allein sind wir hier also nicht!
Die nächsten Tage vergehen mit Ausflügen in die Über- und Unterwasserwelt der Umgebung. In den Korallenriffen vor der kleinen, mit dunklen, glattgewaschenen Kieselsteinen bedeckten Insel Ko Ngam finden wir ein hervorragendes Schnorchelrevier. Stundenlang gleiten wir über die Korallen und beobachten Tausende von bunten Röhrenwürmern, die sich blitzschnell in ihre Röhre zurückziehen, wenn wir ihnen zu nahe kommen. Die Vielfalt der Tropenfische ist enorm, immer wieder tauchen Arten auf, die wir noch nicht gesehen haben.
An Land wird uns die Erkundung durch den dichten Dschungel wesentlich schwerer gemacht. Nur indem wir dem Bett des Baches, der neben unserem Zelt mündet, folgen, können wir ein Stück weit in den Urwald vordringen.
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