Es fällt schwer, uns nach einigen Tagen von diesem wundervollen Ort zu verabschieden, aber der weite Rückweg gegen den Monsunwind macht uns zunehmend unruhig. Wir vollenden die Umrundung Ko Adangs mit unserer Fahrt um die Nordspitze der Insel, in deren Umgebung wir eine grosse Anzahl von Seeadlern beobachten können.
Wir steuern Ko Bitsi, eine Ko Adang vorgelagerte kleine Insel an, um die Überfahrt am nächsten Tag nach Ko Kai etwas zu verkürzen. Der Lagerplatz hat allerdings einen Haken: Der Strand ist sehr schmal und geht dann nahtlos in undurchdringlichen Dschungel über. Aber die Marke des Morgenhochwassers scheint doch ausreichenden Raum für eine ruhige Nacht zu gewährleisten. Zur Markierung stecke ich an der letzen Hochwassergrenze noch einen dicken Schwemmholzpfahl in den Sand. Kaum liegen wir im Zelt, da beginnt das Laub der Bäume vernehmlich zu rascheln - Wind kommt auf. Er wird von Minute zu Minute stärker und steht frontal auf unseren kleinen Strand, an dem sich nun immer mehr Brandung aufbaut.
Mir schwant Böses. Und tatsächlich wird mein Markierungspfahl schon um 22 Uhr von der See weggespühlt. Hochwasser ist aber erst um 24 Uhr. Je weiter es auf Mitternacht zugeht, desto enger wird es für uns. Zu unserem Glück ist Vollmond, so dass wir zumindest sehen, was vorgeht. Mit dem Reservepaddel mache ich mich daran, einen Graben und einen Wall vor dem Zelt zu ziehen, danach hilft nur noch Hoffen. Immer wieder der Blick auf die Uhr, die Flut muss doch nun bald ihren Scheitelpunkt erreicht haben! Die Wellen schlagen schon bis an unser Zelt, da endlich hat Poseidon ein Einsehen, und das Meer zieht sich ganz langsam wieder zurück.
Am Morgen ist das Meer grau und der weiterhin starke Monsunwind hat recht rauhen Seegang aufgebaut. Denkbar ungünstige Bedingungen für die Überfahrt nach Ko Kai. Da eine weitere Nacht an diesem unerquicklichen Platz für uns nicht in Frage kommt, wollen wir doch den Versuch wagen. Stundenlang kämpfen wir uns durch die Wellen. Zusätzlich zu dem Gegenwind erschwert auch noch ein deutlicher Strömungsversatz Richtung Norden die Situation. Gegen Mittag erreichen wir völlig ausgepumpt Ko Kai. Der Tag klingt mit einem kräftigen Gewitter am Abend aus. Trotz weiterhin kräftigem Gegenwind bewältigen wir am folgenden Tag die noch fehlenden 20 Kilometer bis Tarutao.