Reise in die dunkle Vergangenheit
Da wir in den nächsten Tagen den Rückweg an der Ostseite der Insel nehmen wollen, wenden wir uns nach Süden. Gegen Abend erreichen wir die Talu Udang (Krabben-Bucht). Hier gibt es einen weiteren kleinen Aussenposten des Nationalparks. Wir werden von dem Ranger sehr herzlich begrüsst. Nur selten verirren sich Fremde zu seiner nur über den Wasserweg erreichbaren Hütte. Wir werden zu Essbananen auf seine Terrasse eingeladen. Man hat von dort aus einen schönen Ausblick auf die nur wenige Kilometer entfernt liegende malaiische Insel Langkawi. Der Ranger erzählt uns von der dunklen Vergangenheit der Inseln, als Schmuggler und Seeräuber hier jahrhundertelang ihre Verstecke hatten. Später nimmt mich seine Frau mit zum Wasserholen. Sie kennt eine Stelle an dem Kiesstrand, wo bei Ebbe Süsswasser aus dem Boden tritt.
Unser nächstes Ziel ist die Talu Wao Bucht. Dort wurde in den dreissiger Jahren Thailands berüchtigtste Strafkolonie für Politische Häftlinge errichtet. Wohl kaum ein Ort währe hierfür geeigneter gewesen, als das weitab von Bangkok gelegene Tarutao. Die Haifische in den Gewässern machten eine Flucht praktisch unmöglich. Als während des Zweiten Weltkriegs die Versorgung stockte, raffte Hunger und Malaria etliche der Insassen dahin.
Als die Missstände unerträglich wurden, schlossen sich Wärter und Häftlinge zusammen und bildeten Piratenbanden und plünderten die vorbeifahrenden Schiffe. Für uns wird die Düsterkeit jener Tage schon auf dem Weg zur Talu Wao Bucht körperlich fühlbar. Das Klima ist extrem drückend, die feuchtheisse Luft lastet wie Blei auf dem Körper, kein Hauch kräuselt das Wasser. Unsere Paddelarbeit lässt uns die Leiden der Zwangsarbeiter noch direkter nachempfinden. Wenn es einen Ort gibt, an dem die Malaria beste Bedingungen für ihre Verbreitung vorfindet, dann muss es wohl diese Küste sein. Das einzige, was die düstere Stimmung auf unseren "Galeeren" etwas hebt, ist die Begegnung mit einem Delphinpärchen, das uns auf unserem Weg entgegenkommt. Die beiden umkreisen unsere Boote und beäugen uns neugierig, bevor sie weiter ihres Weges ziehen.
Nach endlosen Stunden erreichen wir endlich unser Ziel. Ausser ein paar Fundamente und verrosteten Loren ist nicht mehr viel von dem Straflager übrig geblieben. Der Dschungel hat sich das meiste bereits wieder zurückerobert. Zu beobachten gibt es dafür einige prächtige Exemplare des grossen Nasshornvogels. Wir sind froh, als wir am nächsten Morgen unsere Lagerhaft beenden können.
Unsere Kajaktour neigt sich nun allmählich dem Ende entgegen. Wir verlassen Tarutao und machen uns auf den Rückweg nach Pakbara. Die Insel bleibt als geheimnisvolle, dunkle Silhouette hinter uns zurück.
Unser Freund Bunchoo ist erfreut, uns wohlbehalten wiederzusehen. Den Abend verbringen wir gemütlich vor seinem kleinen Laden und berichten über die Erlebnisse der letzten zwei Wochen. Bunchoo hat, wie versprochen, alles für unseren Rücktransport vorbereitet. Am nächsten Morgen ist sein Freund, wie vereinbart, zur Stelle. Wir verzurren unsere Boote auf seinem Songthaew, und er bringt uns zurück nach Phuket.
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